Diskontierst du noch oder investierst du schon?

Bei allen rationalen Entscheidungen versuchst du in der Gegenwart abzuwägen, was in der Zukunft geschehen könnte.
Ronald Brod

Ronald Brod

Canva Pro, Supreet von Pexels

Dieses Mal wird es wirklich deep. Wenn du jetzt keine Zeit zum Lesen hast, speichere dir diesen Beitrag lieber für später ab. Denn wir gehen ans Eingemachte. Das erfordert deine vollständige Aufmerksamkeit. Bereit? Los geht’s …

 

Bei allen rationalen Entscheidungen versuchst du in der Gegenwart abzuwägen, was in der Zukunft geschehen könnte. Relativ häufig kommt es bei Investitionsentscheidungen in dem Zusammenhang dazu, dass du in der Gegenwart erst einmal Abstriche machen musst, um dafür in Zukunft etwas potenziell Besseres zu bekommen. Jeder Hobbygärtner kennt das. Du pflanzt ein Samenkorn, hegst und pflegt das Fleckchen Erde, sorgst für Bewässerung und vielleicht auch etwas Dünger, entfernst das Unkraut, um dann die leckere Kartoffel mit deinem Spaten aus der Erde zu holen. Schwitzend schleppst du den gefüllten Eimer mit der Ernte in die heimelige Küche, schälst, kochst, salzt deine Errungenschaft, um sie anschließend warm dampfend zu genießen. Und ja, in die Erde kommt eine Knolle, kein Samenkorn. 🙂

 

Eine Immobilieninvestition ist nichts anderes. Sie ist wie eine Kartoffel, die du in die Erde pflanzt, auf das sie satt machende Erträge erwirtschaftet. Zumindest sollte jeder Immobilieninteressierte das genauso angehen. Kommen wir gleich dazu.

 

Die vergangenen mindestens einmal sieben, wenn nicht sogar zehn Jahre waren geprägt von Fastfood-Investments. Du konntest praktisch an jeder Ecke wie zu Mäckes gehen und dir schnell mal eine Immobilie wie ein paar Pommes kaufen. Pommes sind auch Kartoffeln, was man heute leider dem einen oder anderen Kind erklären muss. Naja, anderes Thema. In jedem Fall sind Pommes ernährungstechnisch die schlechtere Wahl.

 

Du hattest Lust auf eine Immobilie? Kein Thema. Immoscout angeschmissen, drei vier Objekte besichtigt, deine Bank kontaktiert und acht Wochen später warst du Eigentümer eine viel zu teuren Immobilie. Und das hast du freudestrahlend gefeiert, weil dir der Anlageberater versichert hat, dass du am Ende des Jahres mit der Steuererklärung das Minus beim Cashflow in ein Plus mit der Steuererstattung verwandeln kannst. Jackpot! Du warst „Investor“.

 

Die Zeit, in der du solche „Fehler“ mehr oder weniger konsequenzlos machen konntest, sind spätestens seit diesem Jahr vorbei. Eine Pommes-Immo gibt es nicht mehr und wird es wahrscheinlich länger auch nicht geben. Und ganz ehrlich: Das ist gut so. Es ist einfach mal wichtig, dass du verstehst, worin du da investierst, wenn du dich für Immobilien entscheidest. Ähnlich wie bei der Kartoffelernte ist es entscheidend, was du im VORFELD getan hast, um anschließend auch ernten zu können. Denn wie die Kartoffel-Metapher hoffentlich gezeigt hat, war vor dem Schlemmen einiges zu tun. Das ist auch bei Immobilieninvestments nicht anders. Immobilien sind ein Front-Loaded-Business. Erst wird gelernt, dann wird geerntet. Viele denken, dass das mit der Akquise nach einem Objekt anfängt. Aber das ist viel zu kurz gedacht. Nach welchem Immobilientyp in welcher Lage zu welchen Kapitalmarktbedingungen in deinem persönlichen Lebensszenario du suchst, sind Fragen, die weit vorher relevant werden, noch bevor du dir die Immoscout App auf dein Handy lädst und deine Suchprofile einrichtest. Das war auch die vergangenen zehn Jahren nicht anders, nur hat das kaum jemanden interessiert. Du konntest praktisch kaum Fehler machen, weil die Wertsteigerung alles, was du verbocken konntest, wieder ausgleichen konnte. Heute musst du das ganze Thema Immobilieninvestments wieder sehr viel grundlegender angehen. Dabei ist ein Ansatz besonders beachtenswert.

 

Der Diskontierungsansatz – Kapital trifft Psychologie

Ich kann dir das nicht ersparen. Aber es wird verständlich, versprochen! Es ist verdammt wichtig, dass du jetzt weiterliest.

Also: Wenn du heute vor einer Kaufentscheidung für eine Immobilie stehst, wägst du die Gegenwart mit deiner möglichen Zukunft ab. Besonders relevant für deine Kaufentscheidung ist die Gewichtung, die du der Zukunft dabei einräumst, wenn du dich für einen Kauf entscheidest.

 

Einfaches Beispiel:

Du möchtest in 20 Jahren mit 55 in Rente gehen. Das hast du dir so fest vorgenommen, weil dein Vater und alle männlichen Vorfahren deiner Familie mit 65 gestorben sind. Mit dieser Prognose vor Augen, bleiben dir dann 10 Jahre, in denen du so richtig leben möchtest. Ich übertreibe bewusst, ich hoffe du siehst es mir nach. 🙂

 

Jetzt stehst du vor der Kaufentscheidung für eine Wohnung und wägst ab, ob der neue Sportwagen mit 600PS mit dem Eigenkapital angeschafft werden soll, um in der Gegenwart Spaß zu haben oder ob dir die 10 Jahre in der Zukunft wichtiger sind und du dein Erspartes in eine Immobilie steckst. Nichts anders macht um die Ecke gedacht das Diskontieren. Du wägst ab, welchen „Schmerz“ du jetzt bereit bist, zu ertragen, um in Zukunft besser leben können. Für Viele genügt ein Blick auf den Rentenbescheid, um diesen Schmerz zu fühlen. Aber ich wollte es für dich so erlebbar wie möglich machen.

 

Nun kommen wir zum eigentlichen Aspekt des Diskontierens. Für die meisten Menschen ist die Zukunft aktuell „weniger wert“, als die Gegenwart. Das ist so abstrakt weit weg und hat vor allem gefühlt immer noch ewig Zeit. Das ist immer besonders dann spürbar, wenn auch noch Krisen die Medienlage diktieren. Und davon haben wir 2022 ja reichlich. Krieg, Corona, Inflation, Klimawandel: Zieh ein Streichholz, welche Krise gerade am meisten akut ist. Und insbesondere in solchen Phasen, diskontierst du die Zukunft besonders hart. Oder anders ausgedrückt: Du verzinst die Zukunft für dich erheblich negativ. Das endet dann in Gedanken wie: Ach wozu das alles? Bringt ja nichts. Der Staat wird’s schon richten. Ich habe eh keine Chance. Alles zu kompliziert. Und so weiter und so fort.

 

“Wer heute etwas Schönes tut, hat morgen tolle Erinnerungen.” Unbekannt

Erlaube mir dir an dieser Stelle eines raten: Lass dich nicht auf das Experiment ein, nicht an deiner eigenen Zukunft zu arbeiten. Wir Menschen neigen leider sehr stark dazu, die Zukunft zu diskontieren und lassen dabei erhebliche Chancen liegen. Das ist auch kaum verwunderlich, denn so viel Panik und negative Nachrichten um uns herum sorgen einfach viel zu stark dafür, dass viele Menschen sich sagen: Naja, ich lebe lieber heute, weil ich keinen Plan habe, was morgen überhaupt wird. Und soll ich dir was sagen? Das erzeugt Abhängigkeiten ohne Ende. Wenn du montags gerade mal bis zum Wochenende denkst, kann ja auch nichts dabei herauskommen. Also gewöhn dir lieber an, mal in Monaten, Quartalen oder gar Jahren zu planen, was die großen Themen deines Lebens angeht. Stell dir dabei am besten vor, was alles in deinem Einkaufskorb liegen würde, müsstest du mit deiner künftigen Rente heute einkaufen. Und dann schieb den Gedanken nicht gleich wieder beiseite. Sondern nutz die aufsteigende Hitze und das ungute Gefühl in der Magengegend, um heute etwas für deine Zukunft zu tun.

 

Vielen Dank fürs Lesen bis hierher. Wenn du bis hierhin gekommen bist, bist du schon ein Macher. Bleib dran und gestalte dein Leben selbst. Ich helfe dir gern dabei, wenn du einen Schubser brauchst. Melde dich gern bei mir: ronald.brod@immomade.de

 

Viele Grüße und einen guten Wochenstart

Ronald

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“Diskontieren und investieren: Welchen Wert hat ein Immobilieninvestment?”
Zur Podcastfolge 052 (Apple Podcast)

Ronald Brod

Ronald Brod

Ich bin Immobilieninvestor mit Schwerpunkt Wohnimmobilien. Das war nicht immer so. Mein Weg begann vor vier Jahren mit einer Entscheidung. Mehr darüber erfährst du auch auf meinen anderen Kanälen.

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